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Zeit

Gibt es sie überhaupt, die Zeit ? Allein, dass sie messbar ist, scheint noch kein ausreichendes Kriterium dafür zu sein, dass Zeit als Größe oder Einheit existiert. Wissenschafter und Denker haben immer wieder versucht, dem Rätsel und dem Geheimnis Zeit näher zu kommen. Und wenn sie denn nun als solches da ist, wie ist sie zu begreifen ? Ist sie linear oder eine Nacheinanderstellung und Reihung von Ereignissen und somit räumlich ? Ist die Zeit ein Fixpunkt oder ein fließendes Etwas oder bewegen wir uns durch die Zeit hindurch und sie selbst steht still? Man spricht oft vom "richtigen Zeitpunkt" - also wird sie doch als Gerade gedacht mit Stationen unterschiedlicher Gewichtung? Etwas geschieht zur "Unzeit ", kommt also völlig ungelegen, ist somit der "falsche Zeitpunkt".

Die Zeit wird in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Jahren, Jahrhunderten und in Zeitaltern gemessen und doch hat sie die Eigenart, bald langsam, bald schnell zu vergehen je nach Lebenssituation und auch Lebensalter. Zeit hat verschiedenste Qualitäten, gefärbt von Ereignissen und Gefühlen. Etwas messen zu wollen, drückt den Wunsch aus, etwas begreifbar und beschreibbar zu machen. Der Mensch will zählen, will Einheiten schaffen und etwas einordnen können.

Schon in der Bibel heißt es " Ein Jegliches hat seine Zeit". Wie wunderbar ist es, nach Ablauf eines Jahres wenigstens symbolisch einen Neuanfang machen zu können und wie sonst könnte man den Fortschritt seines Lebens fassbarer machen, als durch Lebens-Jahre ? Man wird geboren und ist ein Individuum, man ist derselbe Mensch vom Anbeginn seiner Zeugung bis hin zu seinem letzten Atemzug und doch verändern wir uns in jeder Sekunde unseres Lebens. Es heißt, dass man, wenn man einen Fluss durchschreitet, niemals wieder den selben Fluss, auch wenn es der gleiche ist und der selbe zu sein scheint noch einmal durchwaten kann, denn es wird immer ein anderes Wasser sein, das die Füße umströmt. Das hieße folglich auch, dass ein zweiter Mensch niemals durch dasselbe Wasser gehen kann wie der erste.

Vergangenes kann nur in der Erinnerung bewahrt werden. Nichts kann zweimal gleich erlebt werden. Bereits Gelebtes und Erlebtes sind unwiederbringlich vorbei. Und manchmal wünscht man sich verzweifelt, die Zeit anhalten zu können wie die Zeiger einer Uhr. Genau dies treibt viele dazu, durch Geschäftigkeit und Ruhelosigkeit, durch Überfüllung ihres Terminkalenders ein Mehr an gefühlter Zeit erzwingen zu wollen. Sie ertragen es nicht und es erschreckt sie zutiefst, in stillen Stunden und Zeiten von tatenloser Ruhe die Zeit einfach vorbeifließen zu lassen. Früher sagte man "Muße haben" dazu, doch das ist unmodern geworden. Heute gilt "Zeit ist Geld " und so wird das "Carpe diem" der Römer in völlig missverstandener Weise umgesetzt. Man will durch zwanghafte Aktivität der Zeit entrinnen, und muß doch andernorts wegen Sinnentleerung, Ziellosigkeit und der daraus resultierenden Langeweile, die Zeit irgendwie totschlagen. Die Welt scheint sich immer schneller zu drehen, das Zeitalter der Industrialisierung und Technisierung brachte mit dem Segen der Arbeitserleichterung gleichzeitig auch den Fluch des Unsteten und der Hetze. Das Zelebrieren von bewusster Langsamkeit gewinnt dadurch enorm an Wert und zeigt, wie kostbar der Faktor "Zeit" ist. Zeit schenken, sich Zeit für jemanden oder für etwas zu nehmen hat damit wieder einen völlig neuen Wert bekommen.

Wer hat die "richtige" Zeit ? Atomuhren erfassen sie auf Millionstelstelsekunden genau und doch gibt es auf unserem Planeten Zeitzonen, wo je nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein Tag beginnt oder endet. Gibt es dadurch Zeitverschiebungen, die jeder Flugreisende als "jetlag" zu spüren bekommt. Gerät der Reisende somit in eine "falsche Zeit" ? Hat er sich zu schnell durch die Zeit bewegt ? Sind damit auch irgendwann Zeitreisen möglich ? Alle großen Kulturen (Ägypter, Babylonier, Chinesen, Maya) hatten ihre Kalender berechnet nach dem Sonnenlauf und den Bewegungen der Gestirne. Priester waren die Hüter und Wächter der Zeit. Die Zeit und die Berechnung derselben verlieh ihnen Macht. Sie errechneten z.B. die Überschwemmungen des Nils und sagten Sonnen- und Mondfinsternisse voraus. Für das einfache Volk war dies Magie. Auch die Päpste der römisch katholischen Kirche nahmen sich der Zeit an. So folgte dem "Julianischen Kalender ", der durch seine Ungenauigkeit in der Jahresberechnung eine fortschreitende Verschiebung der Jahreszeiten bewirkte, der "Gregorianische Kalender nach ( nach Papst Gregor V. ). Dieser galt jedoch für lange Zeit nur in Rom und einigen anderen Gebieten, damit war eine Zeitenverwirrung verbunden, die wiederum Zeit brauchte, um harmonisiert werden zu können. Besonders protestantische Christen wollten die von einem Papst verordnete Kalenderreform nicht akzeptieren. Noch heute wird im Judentum eine andere Zeitrechnung praktiziert als im Christentum, denn der Beginn der "Neuen Zeit nach Christi Geburt" kann für die Juden logischerweise keine Gültigkeit haben. Auch für Muslime gilt eine andere Zeitrechnung so auch für die Chinesen und so könnte man noch etliche Beispiele anführen, um zu zeigen, dass die Weltenuhren keineswegs im Gleichklang laufen.

Wer Zeit sagt, denkt dabei auch unweigerlich an die Ewigkeit, jene unvorstellbare Größe, die unsere menschliche Lebenszeit, ja selbst das Alter unsres Planeten Erde als kurzes unbedeutendes Flackern erscheinen lässt. Der große Kirchenlehrer Augustinus soll gesagt haben: "Mit der Erschaffung der Welt ist auch die Zeit miterschaffen worden." Vielleicht speziell für uns Menschen, denn Gott braucht sie nicht, die Zeit, ist er doch der Herr der Ewigkeit !

Erwähnenswert wäre noch: Der Mathematiker Rudolf Taschner hat ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel " Zahl Zeit Zufall. Alles Erfindung " geschrieben und seine Gedanken zum unerschöpflichen Thema "Zeit " darin festgehalten.